Ursprungsregionen des Wassers
Auf den Spuren unseres (Trink-)Wassers, führt uns unsere Fotoreise in eines der wohl bemerkenswertesten Quellgebiete weltweit bzw. in den exklusiven Wasserspeicher Österreichs, in die Nördlichen Kalkalpen an der Grenze der Bundesländer Niederösterreich und Steiermark. Der Nationalpark Kalkalpen, gelegen im Bundesland Oberösterreich, ist mangels seiner wassertechnischen Großnutzung hingegen nicht Teil dieses Beitrages.
Besonders die Einzugsgebiete der Alpenflüsse Schwarza am Fuße von Schneeberg und Rax sowie Salza am Fuße des Hochschwabs sind hinsichtlich ihrer wassertechnischen Nutzung erwähnenswert, da diese die Ursprünge der 1. bzw. 2. Wiener Hochquellleitung darstellen (mehr hierzu weiter unten).
Dabei sind zum einen die geographische bzw. geomorphologische Perspektive (Entstehung, Funktion und Geologie) sowie zum anderen die historische Perspektive (Erschließung und Nutzung einer weltweit einzigartigen, mittlerweile über 150-jährigen Idee der Versorgung einer Großstadt wie Wien mit glasklarem Gebirgswasser) erkundenswert.
Weitere Eindrücke aus der Großregion Nördliche Kalkalpen – vom benachbarten Hochkar sowie dem Öterschergebiet („Ötscherland“), die ebenfalls karstreiche Hochquellregionen darstellen, jedoch nicht direkt einer großdimensionierten Trinkwasserversorgung dienen – wurden nachträglich beigefügt.
Erschließungs- und Nutzungsgeschichte des Wassers
Mit dem Bau der 1. Wiener Hochquellleitung von 1869-1873 gelangte unter der Regentschaft Kaiser Franz Josephs I ein Bauprojekt zeittypischen Charakters im Sinne einer Neuorientierung in der städtischen Wasserversorgung europäischer Hauptstädte angesichts des einsetzenden massiven Städtewachstums im Zuge der wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Entwicklungen im Zeitalter der Industriellen Revolution und der damit verbundenen Herausforderungen in der Wasserversorgung zur Umsetzung. Das als Prestigevorhaben im Bereich der Ingenieurswissenschaften angedachte Bauprojekt sollte die damalige Hauptstadt der Donaumonarchie aus der seit jeher mit v.a. wasserhygienischen Problemen behafteten städtischen Brunnenversorgung der Kaiser Ferdinand Quelle (seit 1841) am Donaukanal in ein Zeitalter moderner städtischer Wasserversorgung führen. Damaliger Ausgangspunkt der 1. Hochquellleitung war der schnell in Fassung gebrachte Kaiserbrunnen im niederösterreichischen Höllental, welches Rax und Schneeberg trennt. Vom Kaiserbrunnen im Höllental führte die auch heute noch auf dieser Route verlaufene Strecke durch einen 3km langen Stollen und weiter über einen gemauerten Kanal über Payerbach, Neunkirchen, Bad Vöslau, Baden, Mödling, Wien Liesing zum Wasserbehälter am Rosenhügel, wobei ein Höhenunterschied von ca. 321m zurückgelegt wird. Erstmaliger und auch heutiger Endpunkt der 1. Hochquellleitung ist also der Wasserbehälter am Rosenhügel, welcher mit einer Speicherkapazität von bis zu 140Mio. l Wasser auch heute als zentraler Wasserspeicher der Stadt Wien fungiert.




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Nach etwa 10 jähriger Bautätigkeit wurde dann eine 2. Hochquellleitung am 2. Dezember 1910 ebenfalls durch Kaiser Franz Joseph I in Betrieb genommen. Die heute über 180km lange Streckenführung nimmt auch heute noch ihren Ursprung in der Brunngrabenquelle im steirischen Salzatal am Hochschwab, führt über die Pirknerquelle (Fassung und Einleitung 1968-1970), die Kläfferquelle (Erschließung 1924), vorbei an Lunz am See und Scheibbs (Bau des Österreichstollen bei Scheibbs 1969/1970), weiter über Wilhelmsburg, Neulengbach, durch den Wienerwald über die Ortschaften Eichgraben und Pressbaum bis zu ihrem Endpunkt, welcher sich ebenfalls im 23. Wiener Gemeindebezirk befindet.
Quelle: Zerobin, Wolfang et. al. (2013): Geschichte der Wiener Wasserversorgung. Stadt-Wien. MA 31 –Wiener Wasser.
Geologische Aspekte
Das Wasserregime der gesamten Hochquellregion ist durch s.g. Verkarstung geprägt. Allein das Gebiet des Hochschwabs zählt mit über 590 km² zu den größten Karstgebieten Österreichs. Hier entspringen mächtige Karstquellen, die zum Teil die 1. und die gesamte 2. Hochquellleitung speisen. Die Klassifizierung von Karstlandschaften erfolgt über verschiedene Geofaktoren. Die Grundlage bilden lösliche Gesteine (Kalkstein bzw. z.B. Dolomit, oder auch Mergel) die in einem hohen Maße mit Wasser oder wässrig-säurehaltigen Lösungen so reagieren, dass an der Landschaftsoberfläche Korrosionsformen und im Untergrund Höhlen- und Kluftsysteme entstehen (chemische Verwitterungsprozesse). Ein weiterer Faktor ist – im Unterschied zu in humiden Klima normalerweise oberflächigen Abfluss durch Fließgewässer – die überwiegende unterirdische Entwässerung. Aufgrund dieser beiden Phänomen, der Löslichkeit der Gesteine und der speziellen Hydrologie, entstehen korrosionsbedingte spezifische Oberflächenformen die das typische Landschaftsbild des Karstes bestimmen. Tief in diesen Formationen entstehen riesige Wasserspeicher, welche in einem Zeitraum von mehreren Jahren bis Jahrzehnten nach und nach ihren Weg in die umliegenden Flüsse finden. Dies stellt nun die Grundlage für jegliche Nutzung durch den Menschen dar.


Quelle: PFEFFER K. (2010): Karst. Entstehung – Phänomene –
Nutzung. – In: BAUMHAUER R. et al. (Hrsg.): Studienbücher der Geographie. –
Stuttgart.
Eindrücke aus der Region I: Salzatal, Mariazellerland, Hochkar, Schwarzatal/Höllental






















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Eindrücke aus der Region II: Ötscherland (Naturpark & Ötschergräben)


















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