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November 2021
„Mediokratie“ revers? Mediale Unabhängigkeit in Gefahr
Anmerkung vorweg: Der folgende Artikel bezieht sich nicht auf die Covid-Pandemie und die damit verbundenen objektiv-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und notwendigen Maßnahmen.
Wenn man dieser Tage an jenes medien- bzw. politiktheoretische Konzept des deutschen Medienwissenschaftlers Thomas Meyer denkt, mit dem er Anfang des Jahrtausends nicht unberechtigt vor einer „Kolonisierung der Politik durch die Medien“ mahnte, so konnte er mitunter jene seither erfolgten weiteren Entwicklungen jedoch noch nicht absehen. Denn während man sich in den letzten Jahren, wie so oft unumgänglicherweise retrospektiv, vermehrt der Analyse politischer bzw. parteipropagandistischer Kommunikation im Spektrum neuer Medien widmete, übersah man dabei womöglich den Kehrwert dieser „Entertainisierung“ von Politik: Die zunehmende Verschmelzung von Medien und Politik und die reversive Gefahr für eine seit der europäischen Aufklärung historisch errungene Unabhängigkeit der medialen Funktion einer die Prinzipien eines demokratischen Rechtsstaats überwachenden „4. Säule“.
So mutet es dieser Tage letztlich doch suspekt an, wenn inhaltliche bzw. methodische Kritik an journalistischer Berichterstattung hinsichtlich ganz bestimmter Parameter, wie etwa der argumentativen Ausgewogenheit oder der Quellenvarietät mit einem Angriff auf „die Medien“ gleichgesetzt wird, da man sich hierbei – unter politischer Einflussnahme wohl nicht ganz zufällig – gegenüber dem eigenen Werte- und Identifikationskontext abschottet, gar sakralisiert. Kritische Nachfragen werden dabei nicht allzu selten in öffentlich wirksamer Denunziation in Richtung eines als solchen kommunizierten Angriffs auf die Pressefreiheit gebracht bzw. mundtot gemacht. Seriös argumentierte Kritik wird dabei strategisch geplant mit unseriöser Kritik, die oft aus einer ultrarechten -oder linken Ecke kommt, vermengt, um eine Legitimation dafür zu haben, nicht weiter auf die Inhalte der Kritik eingehen zu müssen. Dass man damit jedoch nicht nur das Ideal echter Pressefreiheit verrät, welches auch stets mit den Idealen von Wissenschaft und Meinungsvielfalt gekoppelt war, sondern auch das Vertrauen der Menschen in dieses Ideal und die hierfür notwendige politische, konkreter parteipolitische Unabhängigkeit sowie das zumindest Streben nach Objektivität erschüttert, wird dabei leider meist nicht bedacht.
Folgenschwer sind jedenfalls die daraus resultierenden Entwicklungen, nämlich die zunehmende Abwendung der Menschen von traditionellen bzw. etablierten Informationsquellen und die Hinwendung zu diversen in sich abgeschotteten „sozialen Bubbles“, welche in weiterer Folge idealer Nährboden für Parallelgesellschaften und diverse Verschwörungstheorien sind. Diese Entwicklungen einer zunehmenden Separierung von Medien und Bevölkerung beobachtete etwa auch der deutsche Medientheoretiker Norbert Bolz bereits sehr früh (Theorie der neuen Medien, 1990).
Leider scheint dieses gesamtgesellschaftliche Bedrohungspotenzial jedoch bislang leider nicht in ausreichendem Maße den führenden Kreisen der Medienindustrie zu Bewusstsein gelangt zu sein, wenn man dieser Tage beispielsweise von einem Chefredakteur eines Wiener Wochenblattes, das bekannt für seine ideologischen Kampagnen gegen ausgewählte Gegner (meist polit-ideologisch) und seinen hohen Inseraten-Einzelanteil einer politischen Partei ist, wie selbstverständlich lesen darf, dass man als Blatt keiner Objektivität verpflichtet sei. Auch ehemalige Qualitätsmedien auf Umweltpapier, verfahren immer weniger nach dem Prinzip des zumindest Strebens nach Objektivität als viel mehr nach populistisch-gestalterischen Motiven in der Narrativsetzung potenzieller Wähler/innen. Und auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk schneidet dieser Tage gerne Meldungen in Abfolge, Zusammenhang und Aussage ein wenig politisch zu, sorgsam ausgewählte Interviewgäste übernehmen den Rest. Auffällig dabei ist auch die zunehmende interreferenziell-gegenseitige Bezugnahme zwecks Quellenbelegen unter ideologisch-gleichgeschalteten Medien, wobei der Anschein einer Quellenvariation entsteht. Traditionell bestehende, in Öffentlichkeit jedoch unehrbarerweise stets dementierte, parteipolitische Verflechtungen auf der personellen Ebene dienen dabei als Bindeglied zwischen Medien und Politik. Gleichzeitig sehen sich derlei Köpfe bzw. die dahinter wirkenden und durch teure Zeitungsinserate gesponserten parteilich beeinflussten Thinktanks auch weiterhin in der ihrer Ideologie entsprechenden thematischen und moralischen Deutungshoheit bzw. in der Kommunikation von „Wahrheit“ und übersehen damit die Zeichen der Zeit: Einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft, in treue Verteidiger dieses Systems auf der einen und – leider auch oft überkritische – Skeptiker auf der anderen Seite, wird damit leider Vorschub geleistet. Falls sich also der mediale Habitus künftig nicht wieder mehr in Richtung echter Meinungsvielfalt bzw. der Auseinandersetzung mit und dem Respekt vor unterschiedlichen Meinungen und Ideologien hinentwickeln sollte, werden sich viele Menschen fatalerweise immer weiter vom Glauben an die tatsächliche Notwendigkeit einer unabhängigen 4. Säule im Staate abwenden.
April 2021
Das Hawking’sche Paradoxon?
„Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott. „
(Carl Friedrich von Weizsäcker)
Wenn Stephen Hawking einst meinte, das Universum sei aus dem noch zeit-losen Nichts entstanden und deshalb könne und müsse seine Erschaffung ohne einen Gott auskommen, fragt man sich als Laie nun aber:
(1) gälte (des Kontroversitätsgebots halber bewusst im Konjunktiv formuliert) die Zeit aber auch für eine nicht an Raum und Zeit gebundene Macht (=das Wesen „Gottes“)? Und woher wollen wir obige These Hawkings in größerem Ausmaß wissen als das Gegenteil? Man kann zwar physikalisch beweisen, dass z.B. ein Naturgesetz X zu Naturgesetz Y führt oder ein Faktor X (z.B. Materie) und Y (z.B. Antimaterie) zu Faktor XY (z.B. Gleichgewicht) führen usw., aber irgendwo steht man der Logik entsprechend immer mit der Herkunftsfrage eines Faktors an. Oder, wie es etwa der deutsche Philosoph und Theologe Godehard Brüntrup formulierte: „Wie kann etwas sich selbst aus nichts erschaffen? Um wirken zu können, muss dieses ´etwas´ … existieren, denn etwas, was nicht existiert, kann auch nichts bewirken. Andererseits soll dieses ´etwas´ ja gerade nicht existieren, sondern aus nichts hervorgehen.“
(2) Die Theorie des Nichts erscheint angesichts dessen – abgesehen von seiner (ebenso) Nicht-Belegbarkeit und ihres jungen Alters auch nicht wirklich als die wahrscheinlichste Erklärung (was aber ebenso ein Widerspruch zu den Grundprinzipien der Naturwissenschaft wäre).
April 2020
Anthropozentrismus und historische Geologie
Mitten in der “Corona-Weltuntergangsstimmung”, stieß ich kürzlich auf einen interessanten Bericht über einen 2018 im International Journal of Astrobiology (DOI: 10.1017/S1473550418000095) veröffentlichten Artikel. Darin gehen einige NASA-Forscher einer wissenschaftlichen/gesellschaftlichen Tabufrage an der zumindest augenscheinlichen Grenze zur Unseriösität nach: Wie sicher ist eigentlich unser historisches Wissen darüber, seit wann es Zivilisationen/Hochkulturen gibt bzw. wurden “Zivilisationen” auf der Erde eigentlich nur durch die Spezies Mensch gebildet?
Gemäß unserem anthropozentrischen, also menschzentrierten Weltbild, entstand das erste intelligente Leben auf unserem Planeten mit den Anfängen der Mensch-Primaten, vor ca. 4 Mio Jahren (vom Australopithecus bis zu Uns, dem homo sapiens). Dieses Wissen gilt, als Teil der Evolutionslehre, als allgemein anerkannte Norm. Doch wie gelangten wir eigentlich zu diesem Wissen und als wie zuverlässig stellen sich die Untersuchungsmethoden hierfür letzten Endes heraus? Sowohl die Geschichtswissenschaft (Überlieferungsevidenz) als auch die Archäologie (materielle Evidenz), können sich in ihren Thesensetzungen nur an den Funden von Überbleibseln orientieren (=Wissenschaft als evidenzbasierte Lehre). Dabei findet man aber auch heute noch laufend Neues und Entstehungszeitpunkte müssen teils immer früher angesetzte werden. Doch was vor dem Wirken der Menschheit (max. 4 Mio Jahre, siehe oben) bzw. konkreter der ersten zur schriftlichen Überlieferung befähigten Menschen (max. 5000 Jahre), war, kann in Wahrheit Niemand sicher sagen. Viele Hinterlassenschaften und Materialien einer viel früheren intelligenten, vielleicht nicht menschlichen Zivilisation, wären gemäß der Erkenntnisse der historischen Geologie nach mehreren Millionen Jahren nicht mehr sichtbar, da Verwitterungsprozesse, Kontinentalverschiebungen, Meeresbildungen und andere natürliche Prozesse alles Übrig-Gebliebene entweder aufgelöst, begraben oder in den flüssigen Erdmantel hinabtransportiert haben könnte. Soll heißen: All das was wir jetzt finden bzw. überhaupt noch finden können (von “Menschprodukten” bis zum Dinosaurierknochen), wäre dann nur ein Bruchteil dessen, was grundsätzlich hätte existieren können. Theoretisch also könnte die Gattung Mensch (in welcher Form auch immer) auf der ca. 4,6 Mrd( = 4600 Millionen) Jahre alten Erde nicht die erste Zivilisation herausgebildet haben und auch nicht die letzte Gattung sein die das tut. Freilich wäre der Begriff Zivilisation hierbei jedoch nicht mit eben menschlichem Maße zu bemessen (Sprache, Siedlungen, Landwirtschaft, Städte etc.) sondern mit einer schier eben unbekannten Variation an möglichen Manifestationen von Zivilisation. Dieser mit dem anthropozentrischen Weltbild des Menschen als Krönung der Evolution intelligenten Lebens brechende Gedanke, wiegt ebenso schwer wie die Vorstellung nicht menschbasierter Gefühls-, Kommunikations- und Gruppenbildungsformen unter anderen Lebewesen weit vor oder auch nach der Menschheit. Moment: Nach der Menschheit? Durchaus, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die menschliche Existenz eines Tages – wenn nicht sogar frühzeitig durch sich selbst – nicht ebenso durch jene Naturgewalten (z.B. erdgeschichtlich belegt-wiederkehrende Meteoriteneinschläge, Ausbrüche schlummernder Supervulkane, radikale Klimaänderungen und Eiszeiten), welche schon in der Zeit vor den Menschen ganze Arten aussterben ließen, von unserem Planeten hinweggefegt werden wird, ist leider nicht allzu groß. Die Uhr tickte in Wahrheit wohl von Anbeginn an, weit vor der Corona, dem Klimawandel oder anderer zeitnaher Fragen von Menschlichkeit.
Oktober 2019
Glaube vs. Wissen(-schaft)?
Zu dieser zeitlosen und wohl seit Beginn menschlichen Schaffens bestehenden Frage gelangt der einzelne Teilhabende einer europäischen/europäisierten Gegenwartsgesellschaft in der Regel wohl überhaupt erst ab jenem Zeitpunkt, an welchem man beschließt, den in ebenen jenem seit der Aufklärung des 18. Jh. säkular geprägten Europa vorherrschenden, zumeist religionskritischen Zeitgeist auf Basis seiner eigenen rationalen Gedankenkonstrukte hin auf seine rationale Bedingheit zu untersuchen. Tut man dies, so wird man selbst als wissenschaftskundiges und (natur-)wissenschaftsgläubiges Individuum mitunter schnell realisieren, dass das Wissen über Dinge oft eingeschränkter vonstatten geht als zugleich heute oft vermittelt und dass das was wir als Wissen zu erkennen versuchen -bei aller Konsistenz vieler seiner Bestandteile- oft unsicherer ist als wir denken und seines Zeichens selbst auf den Glauben an die Richtigkeit dieses Wissens angewiesen ist. Aus diesem Blickwinkel heraus müsste man aus meiner Sicht daher im Übrigen mitunter auch kritisch andenken, was einst Marie von Ebner-Eschenbach zu wissen glaubte (“Wer nichts Weiß, muss alles glauben”).
Wie sicher/unsicher könnte daher nun also das Wissen und wie notwendig/nicht notwendig das Glauben sein?
So sei die erste Frage im Kontext obiger Fragestellung die weiterführende Frage nach dem Wesen von “Wissen”: Unter der Voraussetzung, dass sich “Wissen” aus der Möglichkeit der Definition und Unterscheidung einer mithilfe (natur-)wissenschaftlicher Messmethoden objektiv feststellbaren “Realität” und Nicht-Realität ergibt, stellt Realität beispielsweise neurowissenschaftlich gesehen etwa das Zusammenspiel an Nervenbündeln in unserem Gehirn in ihrem als Gedanke manifestierten Endprodukt dar. Wenn das Gehirn nun jedoch zum Gedanke ob der Existenz/Nicht-Existenz einer gedanklichen Kraft/eines Bewusstseins außerhalb seiner selbst kommt, etwas Göttliches also denkbar wird, ist “Gott”/ dann real oder nicht? Eine für mich mögliche (denn ich persönlich glaube wie bereits erwähnt nicht an die Existenz eines von jeglichem Glauben befreiten Wissens s.o.) und persönlich favorisierte Ableitung wäre daher nun also: Aus meiner Annahme heraus ist “Gott” -ob man “ihn”/”es” nun Gott/Allah/etc., Schicksal, Karma oder sonst wie nennen möge- nun also dann real und wahrhaftig existent, wenn man an “ihn”/”es” glaubt, denn was außer unserem Denken ist schließlich Realität (s.o.)? Die Wahrhaftigkeit göttlicher Wirkung und göttlicher Wunder ergibt sich in weiterer Folge auch erst im inneren Frieden, welchen der Einzelne durch den Glauben erlangen kann. Nichts anderes stellen aus meiner Sicht daher auch die Erzählungen über Gott, etwa in der Bibel und so auch dem Weihnachtsevangelium dar. Hier nach “Wahrheit” und “Unwahrheit” zu suchen, erscheint daher nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch dazu verurteilt, stets Opfer jener zu werden die bewusst und mit gewissen Scheuklappen ausgestattet im Namen von “Wissen” und “Fortschritt” einem Schatten hinterherjagen. Nicht für jene aber existieren religöse Offenbarungen daher, sondern nur für jene die subjektiv wahrnehmen was objektiv aber nicht widerlegt werden kann. Hieß es nicht aus diesem Grunde auch etwa über den ungläubigen Thomas: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben?
Mann kann daher meiner Ansicht nach auch nicht einfach sagen, dass Gott objektiv nicht existiere, wenn Realität als gedanklich manifestierte Vorstellung also niemals rein objektiv sein könnte (siehe auch konstruktivistischer Ansatz). Auch die moderne Wissenschaft, die in ihrem Bestreben das Werken von Kräften unbekannter Herkunft und Ursache zu erklären, sich zwangsläufig nur der Frage nach dem Wie und nicht dem Warum widmen kann, hat sich daher von der Möglichkeit “Gottes” keinesfalls abgewandt, sondern nur jene positivistisch-rationalistische Kreise, die von der Realität ein formalwissenschaftliches Einbahnverständnis zu haben scheinen (wollen). Es ist das dem menschlichen Wesen meiner Ansicht nach zurecht nicht natürlich anmutende mechanistische Verständnis des Lebens, welches zudem etwa den Atheismus als ein paradoxes -weil zugleich eigens bekämpftes- !Glauben! an das Wissen der Nichtexistenz eines Göttlichen beseelt.
Am Ende stellt sich für mich aus den in diesem Text versuchten Zeilen zum Glauben als denkbare und nicht widerlegbare Möglichkeit schlussendlich nun also nicht die Frage, ob etwas Überirdisches, Göttliches als objektiv Definierbares existiert oder nicht – v.a. nicht, wenn man es nur mit irdisch greifbaren Mitteln (Naturwissenschaft) zu ergründen versucht. Es könnte schlussendlich also doch eine wohl ewige Glaubensfrage sein und bleiben (Glaube als einzige Möglichkeit).