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Inhaltlicher und literaturspezifischer Hinweis: Der vorliegende Beitrag versteht sich als Ergänzung zum Beitrag Antikes Griechenland I – Attika, Peloponnes und Mittelgriechenland aus dem November 2022, welcher zum besseren Verständnis der dargebrachten Aspekte dieses Beitrags an als Vorablektüre empfohlen sei. Die im vorliegenden Beitrag verwendete Literatur ist dabei ebenso ident mit jener des obig genannten Beitrags.

Athen (griech. Αθήνα / Athína) – die Stadt (zu Ehren) der Pallàs Athēná, Göttin der Weisheit, der Künste und des Kampfes. Zum anderen jedoch auch stark mit dem mythischen – das heißt in seiner Existenz jedoch nicht sicher bestätigten – König Thēseús verbunden, welcher der Legende nach nicht nur den sagenumwobenen Minotaurus auf Kreta in dessen berüchtigtem Labyrinth getötet, sondern auch die verschiedenen Stämme und Siedlungen der Region Attika ca. im 13. Jh. v. Chr. zu einer „Gemeinschaft“ (griech. Pólis), der Stadt Athen, zusammengeführt haben soll. Die weitere Entwicklung der antiken Stadt als Zentrum griechisch-antiker Kultur und Expansion einerseits und der Wiege der Demokratie (dḗmos = Volk, krátos = Herrschaft – Herrschaft durch das Volk) andererseits spiegelte sich seither über die Epochen griechischer Kulturgeschichte hinweg in Form ihrer historischen und v.a. archäologischen Artefakte (Architektur, diverse Fundgegenstände und Aufzeichnungen) wider. Dieser Beitrag soll sich daher anhand ausgewählter Beispiele näher den einzelnen historischen Elementen und Aspekten dieser großartigen und für das (Selbst-)Verständnis der (historischen) Wissenschaften bedeutsamen Stadt näher widmen – gilt sie doch als Wiege europäischer bzw. westlicher Zivilisations- und Kulturgeschichte und stand damit auf meiner persönlichen „Bucket list“ auch ganz weit oben.

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  1. Athen und die Demokratie – eine Frage der Örtlichkeit?
  2. Zentrale Entwicklungen hin zur dēmokratía
  3. Besichtigungen im Detail
  4. Das moderne Athen

Athen und die Demokratie – eine Frage der Örtlichkeit?

Als zentrale Fragestellung im Rahmen geschichtlicher Forschung galt seit jeher die Frage danach, warum sich die erste Form partizipativen politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens gerade in Griechenland bzw. Athen entwickelte. Zahlreiche Forschungsarbeiten versuchten sich dieser Fragestellung v.a. seit Etablierung der großen akademischen Altertumswissenschaften im europäischen Historismus des 19. Jahrhunderts anzunehmen, wobei sich die dargebrachten Antworten auf unterschiedliche Paradigmen konzentrierten, von geographischen Aspekten (Griechenland, topographisch gelegen an der Schnittstelle dreier Kontinente) über diverse soziologische Aspekte (Konkurrenz auf engem Raum verlangt Innovation) bis hin zu letztlich auch ethnographischen Erklärungsversuchen (Kulturvölker vs. „Barbaren“).
Die wahrscheinlichste Antwort jedoch, mag dabei sicher in einer Bezugnahme auf eine Vielzahl verschiedener Aspekte begründet sein: 1. die topographische Lage zunächst der ersten Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens ermöglichte früh ein v.a. durch den Handel motiviertes In-Berührung-Kommen und zugleich auch eine kritische Auseinandersetzung (etwa mit dem „Gottkönigtum“ genannter Kulturen) sowie daraus resultierend selektive Integration kultureller Errungenschaften (darunter auch die Entwicklung und Anwendung eines eigenen Schriftsystems); 2. die innovationsfördernde Konkurrenzsituation verschiedener Kleinkulturen auf relativem engem Raum (minoische Kultur, mykenische Kultur, dorische Kultur, phönizische und ägyptische Einflüsse u.a.); 3. ein ganzjährig mildes (und früher nicht allzu trockenes) Klima, mit fruchtbaren Böden (nährstoffreiche Böden aus Vulkangesteinen garantieren „zivilisatorische Planbarkeit“ und diese bringt den Wunsch nach Mitgestaltung mit sich).

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Zentrale Entwicklungen hin zur dēmokratía

„Vernachlässige ja nicht den Staat, wenn du etwas zu seiner Besserung beitragen kannst. Denn wenn es mit diesem gut steht, so werden nicht nur die übrigen Bürger, sondern auch deine Freunde und du selbst den meisten Nutzen davon haben.“ Sokrates (469 – 399 v. Chr.)

Zivilisatorisch tatsächlich relativ rasch – nämlich in einem Zeitfenster von ca. 1000 Jahren seit der ersten griechischen (und gesamteuropäischen) Hochkultur der Minoer bis zur Entwicklung der griechischen Klassik – entwickelten sich die ersten dezentrale Vorstellungen der Organisation politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Für die Stadt Athen etwa, lassen sich die ersten Formen bereits ca. 800 v. Chr. (griechische Archaik) feststellen, als es nämlich zu einem Absetzen des Königtums und der Etablierung der Herrschaft der s.g. Archonten kam, von einer Volksversammlung gewählter (zunächst auf Lebenszeit) hochstehender Beamter, meist aus dem Adel. Die ersten konkreten Anfänge praktizierter Demokratie, nämlich in Form von Abstimmungen ausgesuchter Personengruppen (Adel sowie vermögende Bürger) in Athen vollzogen sich ca. ab dem 6. Jh. v. Chr. auf dem zentralen Versammlungsort der Stadt, der agorá sowie auch auf dem areopag/Áreios págos (Hügel zu Ehren des Kriegsgottes Ares)  – siehe hierzu auch Besichtigungen im Detail. Berühmte Archonten versuchten sich, mal mehr und mal weniger „demokratisch“, in den kommenden Jahrhunderten am Ausbau politischer Partizipationsmöglichkeiten, wie etwa Drakon (ca. 650 v. Chr.), welcher die Rechte der Adeligen in zahlreichen Gesetzesreformen einzuschränken versuchte, oder auch Solon (ca. 560 v. Chr.), welcher die in verschiedene „Klassen“ mit unterschiedlichem Mitspracherecht geteilte Bevölkerung der Stadt um eine weitere „Klasse“, dem allgemeinen Bürger mit gleichen Rechten, ergänzte sowie natürlich nicht zuletzt Kleisthenes (ca. 500 v. Chr.), welcher die eigentlichen Grundsteine in Richtung eines Mitspracherechts für alle (allerdings weiterhin mit Ausnahmen) setzte. Perikles (ca. 450 v. Chr.) vollendete die so genannte attische Demokratie hin zu ihren letzten Zügen, bevor die Idee der Demokratie durch die Eroberung Athens durch das (Doppel-)Königtum von Sparta im Zuge des Peloponnesischen Krieges, danach durch König Philipp II von Makedonien bzw. seinen Sohn Alexander dem Großen, wieder danach durch dessen Nachfolger und schlussendliche durch die aufstrebende Weltmacht Rom eine lange Pause über viele Jahrhunderte einlegen musste.

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Besichtigungen im Detail

Grundsätzlich lässt sich die (antike) (Alt-)Stadt Athen in zwei große Bereiche mit jeweiligen Besichtigungsschwerpunkten einteilen: Während der weitgehend erst im 19. Jh. ausgebaute Nordteil Athens von rasterförmig angelegten Straßenzügen, modernerer Architektur (v.a. klassizistische Bauten wie beispielsweise das Archäologische Nationalmuseum sowie das Parlamentsgebäude) und dabei durch eine breite Museumslandschaft geprägt ist, erstreckt sich im Südteil der (antiken) (Alt-)Stadt das Gros antiker architektonischer Überreste, wie etwa die antike Agorá, die Akropólis (=Festungs- bzw. Burgberg mit dem Parthenon-Heiligtum u.a.) von Athen oder auch der Tempel des Olympischen Zeus. Eine gute Möglichkeit alle wesentlichen Sehenswürdigkeiten abzudecken, ist die Nutzung einer von mehreren Hop-on-Hop-off-Bustouren im Rahmen eines ca. einstündigen Loops.

Die antike Agorá

Nordwestlich der Akropólis von Athen erstreckt sich das Areal der antiken Agorá, des einstigen zentralen Versammlungsortes des Stadtstaates von Athen, auf welchem sich das alltägliche gesellschaftliche, ökonomische sowie kultische Leben abspielte. Wichtige Nutzungsflächen und Gebäude waren dabei u.a. die Stoa des König Attalos (ca. 2 Jh. v. Chr.), ein auch als Markthalle sowie für Geldwechselgeschäft genutzter überdachter Arkadenbau, oder auch der Tempel des Ares sowie ein Amphitheater und ein für Reden und Abstimmungen (die erste Form der Demokratie in Form des s.g. Scherbengerichts einerseits und des attischen Losverfahrens mittels eines antiken Losmaschinen-Automats) genutzter großer Marktplatz.

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Die ersten Besiedlungsspuren dieses erst ab den 1930er-Jahren durch französische und später deutsche Forschende Stück für Stück freigelegten und archäologisch erkundeten Areals gehen auf das 7. Jh. v. Chr. zurück. Während in späterer Zeit unter römischer Herrschaft eine neue, römische Agorá erbaut wurde, verlor die ursprüngliche Agorá mit der Zeit jedoch weitgehend an Bedeutung und verfiel in eine Art Dornröschenschlaf bis zu ihrer Wiederentdeckung im Zuge des großen europäischen archäologischen 19. Jh.

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Der Areopag

Der ca. 60m hohe Areopag/Áreios págos (= Hügel des Kriegsgottes Ares) befindet sich zwischen der antiken Agorá und der Akropólis und geht namentlich und örtlich auf eine Legende zurück, in welcher der Kriegsgott Ares vom Mordversuch am Meeresgott Poseidon freigesprochen wurde. Realhistorisch betrachtet, war er jedenfalls – ähnlich der antiken Agorá – ab dem ca. 6. Jh. v. Chr. als Versammlungs- und v.a. Abstimmungsort des örtlichen Adels genutzt. Wie auch auf der Agorá, fanden hier wichtige Entscheidungen auf Basis protodemokratischer Verfahren wie etwa dem s.g. Scherbengericht statt, bei welchem der Name eines zur Verbannung Auserwählten auf Tonscherben eingraviert und anschließend in Summe gezählt wurde. Auch soll vom Areshügel aus der Apostel Paulus 51 n. Chr. seine Rede zu den Athenern gehalten und diese zum Christentum bekehrt haben.

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Die Akropólis von Athen – das Heiligtum der Pallàs Athēná

Die Akropólis (griech. „Oberstadt“) von Athen stellt wohl die berühmteste Sehenswürdigkeit/Wahrzeichen der Stadt bzw. im Grunde ganz Griechenlands dar. Dabei handelt es sich um quasi den ehemals auch befestigten Festungs- bzw. Burgberg der Stadt, welcher jedoch weit vor seinem Ausbau zum Heiligtum der Schutzgöttin und Namensgeberin der Stadt, Athene/Pallàs Athēná, in der Griechischen Klassik (und hier insbesondere unter dem Athener Staatsmann Periklḗs im 5. Jh. v. Chr. nach der persischen Eroberung 480 v. Chr. und weitgehenden Zerstörung der Stadt) bereits in der bronzezeitlich-mykenischen Kultur – und baulich zwar zumindest nicht eindeutig belegbar, jedoch archäologisch vermutet bereits vor ca. 5000 Jahren – ab ca. 1400 v. Chr. auch als Kultstädte mit Tempeln und Heiligtümern genutzt wurde. So ist etwa bekannt, dass die „Vorläufergottheit“ der Athene mykenischen Ursprungs gewesen sein musste und von diesen als Atana Potinija verehrt wurde. Demnach wurde der Mythos um den Kampf der Athene – Götting der Weisheit, Künste und des Kampfes – gegen den Meeresgott Poseidon, welchen Erstere der Legende nach für sich entscheiden konnte, vermutlich erst im Lauf der Jahrhunderte quasi ‚retrotradiert‘.

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Zu den wichtigsten baulich-archäologischen Elementen bzw. Artefakten des Hügels zählen v.a. jene in der Griechischen Klassik bzw. unter Perikles entstandenen (s.o.) Gebäude wie der das bekannte Stadtbild Athens dominierende Parthenon (-Tempel) (griech. „Jungfrauengemach“), mit der einst darin beherbergten, jedoch im Laufe der Zeit leider verschwundenen angeblich bis zu 12m hohen Statue der Athene aus purem Elfenbein und Gold, oder auch der Erechtheion (benannt nach dem mythischen König Athens Erechtheus), weiters der monumentale Torbau zum Heiligtum, die Propyläen, sowie weitere Nebengebäude des s.g. Heiligen Bezirks des Hügels. Insbesondere der aus Marmorblöcken erbaute und über mehr als zwei Jahrtausende für unterschiedlichste Zwecke baulich (fehl-)genutzte und dabei teils schwer beschädigte Parthenon, stellt bis heute eine archetektonische und stilistische Meisterleistung dar, da er auf einer nicht gerade Fläche erbaut, mit diversen baulichen Mitteln dem Betrachter letztlich dennoch eine gerade Grundstruktur vermittelt.

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Akropólis-Museum

Unweit der Akropólis gelegen, bietet der im Jahr 2009 fertiggestellte neue Gebäudekomplex auf 4 Stockwerken eine weitreichende museal-kuratierte Begleitung zum – am besten jedoch erst nachher folgenden – Besuch der Akropólis von Athen. Als aufgrund zahlreicher Neuausgrabungen in den 1970er-jahren das ursprüngliche Museum nach und nach zu klein wurde, um die immense Anzahl an Fund- und Ausstellungstücken weiter probat unterzubringen, begann man mit den ersten Plänen eines gänzlichen Umbaus des Areals. Doch erst Anfang der 2000er-Jahre nahmen diese Pläne zeitverzögert nähere Gestalt an. Im Rahmen einer Architekturausschreibung, setzten sich Architekten aus der Schweiz mit ihrer Idee eines mehrgeschossigen, sehr lichtdurchfluteten Neubaus durch, welcher – um die zu auf dem Areal damals bereits freigelegten frühchristlichen Ausgrabungen entsprechend zu integrieren – auf zahlreichen Betonsäulen errichtet wurde. Neben dem Archäologischen Nationalmuseum (sowie dem British Museum in London, ursächlich britischer Ausgrabungen und einer Teilokkupation im frühen 20. Jh.) beherbergt das Museum heute den größten Teil des antiken Kulturschatzes Griechenlands.

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Archäologisches Nationalmuseum

Das bis zum Jahre 1866 im klassizistischen Stil vom deutschen Architekten Ludwig Lange erbaute Archäologische Nationalmuseum reiht sich in eine ganze Reihe an Gebäude im nördlichen Zentrum Athens ein, welche zu Zeiten eines noch jungen griechischen Staates zwecks Repräsentation und Stärkung des Nationalbewusstseins in Auftrag gegeben wurden. Das mit bis zu 50 Ausstellungsräumen größte Museum des Landes reiht sich mit seinen ca. 10.000 Exponaten von der griechischen Archaik über die griechischen Klassik und die Hellenistische Epoche bis zur spätrömischen Zeit auch unter die größten Museen weltweit ein. Weltberühmt sind dabei etwa v.a. die Skulptur- und Büstensammlung, zahlreiche Originale wie etwa die durch den berühmten deutschen Archäologen Heinrich Schliemann entdeckte Totenmaske des Agamemnon aus dem antiken Mykene (Peloponnes-Halbinsel), der Mechanismus von Antikythera (erfunden für astronomische Berechnungen, etwa zur Voraussage von Sonnen- und Mondfinsternissen), die 1967 entdeckten minoischen Fresken von Santorin/Thera sowie die Artemision-Bronzestatue des Poseidon oder Zeus, welche 1926 vor der Küste der Insel Euböa gehoben wurde.

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Das moderne Athen

Beim modernen Athen der Gegenwart, einer Metropole mit einem Durchmesser von ca. 30km und einer geschätzten Einwohnerzahl zwischen 3 und 5 Mio Einwohnern (da keine Meldepflicht vorhanden, gibt es nur ungefähre Angaben) handelt es sich aufgrund ihrer langen Geschichte und den dadurch über eine lange Zeit stattgefundenen ethnogenetischen Prozessen wohl um eine der kosmopolitischsten Städte Europas. Ein Problem stellt jedoch mitunter die teils große Luftverschmutzung (eine FFP2-Maske hilft etwa bei reaktivem Asthma) sowie ursächlich dafür der immense und chaotische Verkehr dar (von einer Autonutzung in der Stadt selbst ist dringend abzuraten). Neben einer Vielzahl an kulturellen Besichtigungsmöglichkeiten (Sehenswürdigkeiten, Museen, Kulturveranstaltungen uvm.) kann die Stadt dafür jedoch auch mit einem regen Nachtleben und v.a. auch einem reichhaltigen kulinarisch-diversen Angebot touristisch punkten. Auch die Hotellandschaft lässt keine Wünsche offen, da von interkontinentalem 4-Sterne-Standard bis zur eigenen Hotelschwerpunktangeboten (etwa in historischem Ambiente u.ä.) wirklich alles dabei ist. Die Atmosphäre dieser tollen Stadt lässt sich jedoch wohl am besten photo- und videographisch beschreiben.

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