Als der in der explorativen Tradition neuzeitlicher Naturphilosophie stehende deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859), Bruder von Wilhelm von Humboldt (1767-1835), im Jahre 1808 seinen Aufsatz Ansichten der Natur an der Universität zu Berlin präsentierte, musste seinen Zeitgenossen der kulturhistorische Wert seines Wertes für die Nachwelt noch nicht gewahr gewesen sein. Als Grundlage für sein späteres Hauptwerk Kosmos, erschienen ab 1865, legte Humboldt darin seine Interpretationen dessen dar, was er in den Jahren seiner Forschungsreisen nach Asien (Zentralasien/Ural sowie Himalaya), Afrika (Atlasgebirge, Kongo-Delta, Ostafrikanisches Hochland) aber v.a. Südamerika (v.a. Amazonien/Orinoco-Delta und Argentinien) an Beobachtungen gemacht, akribisch aufgezeichnet und (aus-)gemessen hatte.
Sein größtes Interesse galt dabei jedoch sicherlich Südamerika, wo er 5 Jahre lang in Mexiko und Amazonien entlang des Orinoco-Flusses, des zweitgrößten Flusses Südamerikas, von dessen Mündung in zivilisiertem Gebiete über die Wasserfälle des Orinoco bei Atures und Maipures bis zu seinem Ursprung im Gebirge tief im damals bislang kaum erforschten Zentrum Äquatorialamerikas unterwegs war. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit der Aufzeichnung und Vermessung von Flora, Fauna und Geognosis (Erscheinung der Landschaften) sowie der Geologie der Region. Auf alle seinen Reisen war ihm vor allem die interkontinental-vergleichende Geographie (Klima, Vegetation, Geomorphologie, Geologie, Tierwelt, uvm.) ein Anliegen, wobei er sich dabei v.a. in der Tradition seines Zeitgenossen Johann Wolfgang von Goethe in einer Rolle eines Bindegliedes aus faktischer Naturwissenschaft und unabänderlich-menschlicher Sinneswahrnehmung sah. Für den Leser seines Werkes besonders auffällig und beeindruckend zugleich sind dabei auch seine dargebrachten – und aus heutiger Sicht zu großen Teilen naturwissenschaftlich verifizierten – Annahmen und Hypothesen zu einer Vielzahl seiner Naturbeobachtungen.
Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten:
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen;
Denn was innen, das ist außen.
Johann Wolfgang von Goethe (Epirrhema, Gott und die Welt, 1827)


Die philosophische Naturkunde erhebt sich über die Bedürfnisse einer bloßen Naturbeschreibung. Sie besteht nicht in einer sterilen Anhäufung isolierter Tatsachen. Dem neugierig regesamen Geiste des Menschen sei es erlaubt, bisweilen aus der Gegenwart in das Dunkel der Vorzeit hinüberzuschweifen, zu ahnden, was noch nicht klar erkannt und sich so an den alten, unter vielerlei Formen wiederkehrenden Mythen der Geognosie zu egötzen.
Alexander v. Humboldt (Vorwort zu den Ansichten der Natur, 1807).
Im Folgenden seien beispielhafte Auszüge seiner zentralen Beobachtungen, Erkenntnisse und Theorien dem Leser dargebracht. Wie weiter oben bereits geschildert, ist dem Kenner heutiger Wissenschaften die Richtigkeit seiner damals völlig ohne Bestätigungsmöglichkeit hervorgebrachten Darstellungen zur Kenntnis gebracht. Dies macht das Werk so einzigartig und zugleich faszinierend in seiner Lektüre.
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