„Sie bauen immer, bauen
Bis in die Wolken, bauen fort und fort
Und denken nicht dran, daß der schmale Grund
Das schwindelnd schwanke Werk nicht tragen kann.“ (Friedrich Schiller)
Ein Plädoyer gegen die (nicht medizinische) Nutzung der Kernkraft.
Wenn anlässlich des 35. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 auch heute noch immer wieder zu lesen ist, dass die sichere Nutzung der Kernenergie primär eine Frage des technischen Standes sei, offenbart sich darin zumeist der zeitlose Negativkehrwert des modernen fortschrittsnarrativen und technikgläubigen homo scientificus. Von den ersten Atombombenversuchen ( -und Einsätzen) über die bald danach einsetzende großangelegte kommerzielle Nutzung von Kernenergie ab den 1960er Jahren, als man noch die Sicherheit und Zukunftsträchtigkeit der neuen Technologie zum Zwecke der unerschöpflichen Energieerzeugung werbewirksam und gar hämisch gegenüber den Kritikern beschwor, bis zur erschütternden Erkenntnis 1986, was passieren kann, wenn künstlich erschaffene Radionuklide mit millionenfach erhöhter Strahlenlast sich ihren Weg über viele tausende Kilometer bahnen und gar schon unnatürlich anmutendes Leid verursachen — es war im Grunde stets eine Frage der technischen Minimierungsmöglichkeiten künftiger Tragödien, niemals eine Frage diese durch eine Verbot gänzlich ausschließen zu wollen. Hierfür hätte man, allerspätestens seit es 2011 im hochtechnisierten Japan mit Fukushima erneut passierte, einsehen müssen, dass die für Energieerzeugungszwecke so großdimensionierte Entfachung (denn diese ist keinesfalls mit einer wesentlich kleiner dimensionierten medizinisch oft alternativlosen Nutzung zu legitimieren) eines „hunderttausendjährigen unlöschbaren Feuers“ zum niemals sicher war und jemals sein wird können. Denn auch wenn es der Mensch seit seiner Ernennung zum Gott über sich selbst nicht einzusehen vermag, gibt es Dinge, die man besser niemals hätte verstehen sollen. Der nächste Unfall eines energiepolitischen Missverständnisses unendlicher Energieverfügbarkeit, ist jedenfalls nur eine Frage der Zeit (keiner der bisherigen Unfälle wurde technisch hervorgesehen, weil aus Vorfällen immer erst die Neuerkenntnis erwuchs). Ein auch für eine energiehungrige Welt nicht hinnehmbares Katastrophenpotenzial, wie zum Glück immer mehr Länder auch erkennen. Von der Frage des massenhaft anfallenden Strahlenmülls, seiner Endlagerung und der Sicherstellung seiner „Wiederentdeckung“ über einen Zeitraum von bis zu unvorstellbaren ca. 100.000 Jahren ganz abgesehen.
Originalaufnahmen/Doku-Ausschnitt aus: https://m.youtube.com/watch?v=FfDa8tR25dk
Die „Liquidatoren“ von Tschernobyl im April 1986 bei der Beseitigung der hochradioaktiven Graphittrümmer des zuvor explodierten Reaktorkerns. Sie wurden einer Strahlendosis von ca. 20.000 Röntgen ausgesetzt. Viele starben innerhalb der ersten Wochen nach ihrem Einsatz, die meisten innerhalb von 4 Jahren.